Wüstengrasmücke

Helgoland Oktober/November 2017

Reisezeit 30.09.-07.10.2017 (Teil 1) und 28.10.-05.11.2017 (Teil 2)

Tag 1 – Anreise (Teil 2)

Wüstengrasmücke

Wüstengrasmücke (Helgoland)

Weiter geht’s mit Helgoland. Ob die Fähre fährt war angesichts des herannahenden Sturmtiefs Herwart eine Wackelpartie, aber dann klappte es doch. An Board wurde das Tagesangebot Riesen-Currywurst „Lange Anna“ angepriesen. Der ein oder andere Konsument wird es bitter bereut haben. Bei heftigem Seegang flogen die Wellen nur so über den Bug des Schiffs und duschten mutige Passagiere. Kinder wurden am Ärmel mit der Kotztüte in der Hand an Deck gezerrt und einige Leute flüchteten ihren Erzählungen nach zu urteilen aus dem Fahrgastraum. Wir waren froh, dass wir das Schiff direkt vom Deck verlassen konnten. Der Geruch dort unten musste abenteuerlich sein und kann kaum innerhalb einer Stunde bis zur Abfahrt beseitigt worden sein. Der erste Weg ging schnurstracks zur Wüstengrasmücke. Der kleine Vogel sprang völlig angstfrei zwischen den Beobachtern rum und fing sehr erfolgreich Tangfliegen. Hiervon beflügelt bezogen wir die Ferienwohnung und versuchten noch vergeblich andere Highlights aufzutun. Die von der Düne gemeldete Kurzzehenlerche ließen wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit dann aber doch liegen. Abends stellten wir dann enttäuscht fest, dass unsere Pizzeria Urlaub bis Mitte Dezember macht. Wir wurden aber dennoch satt und gingen müde in die sturmsichere Bude.

Tag 2

Herwert über Helgoland

Die ganze Nacht war der Wind am Sendemast zu hören. Den Höhepunkt erreichte der Sturm früh morgens. Draußen musste man die Mütze festhalten, da sie sonst weggeflogen wäre. Die Mole des Nordosthafens und die am Dünenanleger wurden mit jeder wellen überspült und der Wind wehte das Wasser weit darüber hinweg. Ein beeindruckendes Schauspiel! Aber auf Helgoland klappert nix, wenn es windig ist und es gibt keine hohen Bäume, die drohen umzukippen. Insofern lässt sich hier Sturm deutlich besser aushalten als auf dem Festland. An Fotografieren war natürlich den ganzen Tag nicht zu denken. Schwalben-wenn und Wüstengrasmücke waren aber noch da. Letztere soll sich tief im Gebüsch an den Boden gedrückt haben. Weil die Uhr umgestellt wurde, fiel es dann auch gar nicht schwer, den Abend früh in der Hütte zu verbringen. Eine Info noch für Stammgäste auf dem Felsen: der Tunnel zum Oberland oberhalb des Mittellandes wurde zugemauert und -geschüttet. Die Fahrpahn und der Fußweg wurden zu einer Straße zusammengelegt.

 

Tag 3

Zwergammer

Zwergammer

Der Sturm hatte sich nun vollständig gelegt und die Sonne schien sogar. Auf der ersten Erkundungstour kam die Nachricht über eine Zwergammer am Kringel rein…im Morgenlicht! Als ich dort ankam hüpfte sie munter vor einem Schuttcontainer herum und störte sich nicht an den Beobachtern -> handzahm – mein Traum! Nur sehr tief musste man den Aufnahmestandpunkt wählen, denn sie fing ihre Tangfliegen auf betoniertem Untergrund. Auch die Schwalbenmöwe war noch da und an diesem Tag fanden wir endlich auch Ohrentaucher und Eisente, die schon einige Tage anwesend waren. Nachmittags kamen immer wieder sehr kurze Schauer über die Insel und als die Kamera gerade wieder wettersicher verpackt war, flog ein wirklich sehr heller Birkenzeisig durch. Er hatte es leider so eilig, dass kein Belegfoto mehr möglich war. Auch die warme Abendsonne am Kringel blieb aus, so dass ich die Zwergammer nicht mehr aufs Korn nehmen konnte. Sie flog dann auch ab und wurde mitten im Ort auf dem fein säuberlich gemähten Rasen des Strandhotels wieder aufgegriffen. Die auf der Terrasse sitzenden Hotelgäste waren etwas verwundert über die herannahenden Menschen mit Ferngläsern, Spektiven und großen Objektiven. Nein, unsere Aufmerksamkeit galt nicht der Amsel sondern dem kleinen Vogel daneben, der kaum über die Grashalme ragte.

 Tag 4

Wüstengrasmücke

Wüstengrasmücke (Helgoland)

Der Tag stand im Zeichen eines sehr heimlichen Waldpiepers. Er wollte aber nicht so recht vor großem Publikum auftreten und so blieb der Vogel ungesehen. Die Wüstengrasmücke war dafür umso zutraulicher. Sie hüpfte munter zwischen den Schuhen und vor den Kameras umher. Ansonsten gab es noch mehrere (oder doch nur eine?) Zwergammern auf der Insel, die aber immer woanders waren als wir. Fotografisch war der Tag aber durch die Wüstengrasmücke nicht erfolglos. Eine Waldschnepfe flog am Aquarium gegen eine Scheibe. Etwas benommen saß sie kurz am Boden und flatterte dann in ein kleines Gebüsch. Eine weit entfernte Katze roch sofort ihre Chance und kam in typische Jagdhaltung angelaufen. Sorry, Mieze, aber dein Vorhaben mussten wir leider verhindern! Danach verschwand die Schnepfe vom Erdboden. Wir können uns nicht erklären wohin, aber das darf auch ihr Geheimnis bleiben. Die Umstellung der Uhr lässt den Tag früh enden und so ergab sich dann auch nicht mehr. Aber wer seine Kamera den ganzen Tag ohne Pause über die Insel getragen hat, hat einen frühen Feierabend auch verdient. Inzwischen haben wir von mehreren Fotografen/Birdern gehört, die mit ihrem Auto betroffen sind von der im Sturm abgesoffenen Halle in Cuxhaven. Ich drücke die Daumen, dass die Versicherungen sich schnell einigen und der Schaden reguliert wird, auch wenn das den Ärger nicht verschwinden lässt.

Tag 5

Der Tag begann relativ trüb und war von Schauern durchsetzt. Der Waldpieper sollte am Vorabend durch einen Rotkehlpieper Gesellschaft bekommen haben. Ein Pssiii hatte ich am Sportplatz auch gehört…. Man steht sich stundenlang die Beine vor einer bewachsenen Düne in den Bauch, um auf eine Vogelart zu warten, die mehr oder weniger genauso aussieht, wie alle anderen in der Gruppe. Bei völliger Talentfreiheit in Sachen Piepern beschloss ich, dass mir mein Urlaub zu kostbar für diese Warterei ist. Sehr viel imposanter ist der gewaltige Starenschwam am Nordstrand und immer schön anzusehen die Ohrenlerchen. Am Atollhotel lief eine der drei Zwergammern die Promenade rauf und runter und auf dem Sportplatz tummelte sich eine isländische Rotdrossel. Ein paar Mönchsgrasmücken sind auch noch im Gesträuch des Nordostgeländes unterwegs.

Tag 6

Schneeammer

Schneeammer

Kaiserwetter auf Helgoland! Auf zur Wüstengrasmücke, um sie im Morgenlicht vorteilhaft zu portraitieren. Man sollte die Rechnung immer mit dem Motiv machen. Die Mücke hielt sich vorwiegend auf der anderen Seite der Hecke im Schatten auf. Ein Birkenzeisig musste ausgiebig dokumentiert werden und beschäftigte die Birder bis in die späten Abendstunden. Soviel sei gesagt: kein Polar- und kein Alpenbirkenzeisig. Wir müssen weiter nach ersterem suchen. Am Kringel flitzte eine der Zwergammer weiter hinter den Tagfliegen her, allerdings schon im schlechten Mittagslicht. Nachdem der Rucksack mit Proviant aufgefüllt war, ging es das erste Mal rüber auf die Düne. Die Schneeammern sollten es sein und sie zeigten sich unglaublich unstet im besten Licht. Der Ausschuss war enorm und erst im letzten Abendlicht ergaben sich ein paar brauchbare Fotos von ihnen und anderen anwesenden Vögeln. Zurück genoss ich bei Mondschein eine exklusive Dünenrückfahrt für einen ebenso exklusiven Preis.

Tag 7

Haussperling

Haussperling

Der Tag begann mit der ersten Begehung des Oberlandes. Eine Supfohreule flog am Klippenrand entlang u d ergänzte den schönen, ruhigen Morgen stimmungsvoll. An der Nordspitze flogen Schneeammern rastlos umher, aber auf dem Meer war es sehr ruhig. Im Unterland kam später eine Waldohreule, meine erste für Helgoland, über das Meer reingeflogen und setzte sich in die erste Buschreihe. Gelbbrauenlaubsänger wurden mehrfach gemeldet, aber wir konnten keinen Vogel sehen oder hören. Am Kringel war ein Pärchen Ringdrosseln, aber die Zwergammer hatte die Vollmondnacht offenbar genauso zum Aufbruch genutzt wie die Wüstengrasmücke. Nur die gut genährte Zwergammer am Atollhotel futterte munter eine Tangfliegen nach der anderen. Am Nachmittag bewegten sich dann alle Birder Richtung Sportplatz, wo ein Dunkellaubsänger entdeckt worden war. Der unscheinbare Vogel hüpfte und schnäpperte sich unfotogen bei bedecktem Himmel durch das braune Gestrüpp. Deshalb gibt es heute ein Foto von gestern von einem Allerweltsvogel, dem Haussperling.

Tag 8

Blauschwanz

Blauschwanz

Das Wetter zeigte sich von seiner besseren Seite und war, wie so häufig, auch besser als die Vorhersage. Wir bummelten Richtung Nord-Ost-Gelände auf der Suche nach frisch eingetroffenen Vögeln. Dann kam plötzlich die Meldung, dass ein Blauschwanz bei der Tankstelle an den Hummerbuden gesehen worden sein soll. Der gesamte Tross bewegte sich in die Richtung, um zu erfahren, dass der Vogel nur kurz gesehen worden war und dann abflog Richtung Hummerbuden, Kringel, Mittelland. Die Suche war vergeblich und so verteilten sich alle Vogelkieker wieder. Ein Dienstweg trieb uns mittags wieder in diese Richtung und da hüpfte ein Vogel mit orangen Flanken von einem Bordstein hinter eine Mauer. Wir suchten das unübersichtliche Gelände weiter ab und plötzlich stand der Blauschwanz auf der Straße. Schnell ein Belegfoto und Meldungen im Club und in der WhatsApp-Gruppe gemacht, und weiter ging’s. Der Vogel war nicht richtig scheu, aber weniger als 15-20 Meter wollt er nicht akzeptieren. Den Nachmittag über schnäpperte er vor Publikum nach Fliegen, um sich nach seinem weiten Weg zu stärken. Nachdem das beste Licht weg war, verließ ich die Szenerie. Im Fanggarten war ein möglicherweise-vielleicht-90%-Polarbirkenzeisig freigelassen worden, der sich nun im Nord-Ost-Gelände aufhalten sollte. Leider konnten wir ihn nicht wiederfinden.

Tag 9 – Abreise

Wenig ereignisreich klang der Tag auf Helgoland bis zur Abfahrt aus. Der Blauschwanz war noch da und zusätzlich wurden Spornpieper und Goldhähnchen Laubsänger von der Düne gemeldet, die wir aber ausließen. Auch die Überfahrt war unspektakulär, so dass es nun daran geht, die Ausrüstung vom Sand zu befreien und die Bilder zu entwickeln. Demnächst werden die Fotos hier präsentiert. Vorbeischauen lohnt sich!

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Tag 1 – Anreise (Teil 1)

Bartlaubsänger

Bartlaubsänger

Bei ruhiger See ging es mit dem Schiff zum Roten Felsen. Mit den letzten Funkwellen in der Elbemündung kam noch die Nachricht über einen Bartlaubsängers auf Helgoland rein. Ohne aufregende Sichtung unterwegs ging es dann auch wieder von Schiff runter. Die Info war noch aktuell, so dass der Koffer zur Anlieferung an der Ferienwohnung aufgegeben wurde. Ohne Zeit zu verlieren, ging es los zum Vogel. Handzeichen veranlassten uns, stehenzubleiben. Also fix die Kamera raus und da fliegt der Vogel auch schon ins Gebüsch auf unserer Seite. Kurz saß er frei, so dass ein paar hastige Bilder gelangen. Der Lifer war im Kasten! Danach bot sich keine vergleichbare Situation mehr. Nach einiger Zeit gaben wir auf und bezogen vorbei an einem Gelbbrauenlaubsänger die Bleibe. Das Wetter war bis dahin deutlich besser als vorhergesagt, aber nachmittags begann es ordentlich zu regnen, so dass der Abend in den Mocca-Stuben begangen wurde.

Tag 2

Der Tag begann lange vor Sonnenaufgang, um fertig zu sein, wenn das beste Licht da ist. Der Himmel war sternenklar und so versprach das Wetter, Helgoland von der besten Seite zu bescheinen. Wir starteten auf der windgeschützten Seite der Insel, im Nord-Ost-Gelände. Viele Mönchsgrasmücken, Zilpzalpe, Rotkehlchen und Singdrosseln sind auf der Insel. Dennoch war einiges bei dem Wetter abgezogen. Auch andere Birder bestätigten den Eindruck.

Steinschmätzer

Steinschmätzer

Ein Wanderfalke, ein sich mit einer Krähe zoffender Sperber und eine überfliegende Zwergschnepfe waren bis dahin das ornithologische Highlight. Nach Besuch des Inselbäckers beschlossen wir auf die Düne zu fahren. Dort waren einige Limikolen, aber leider genauso viele Strandspaziergänger, die sie hochscheuchten. Die Wasserrallen riefen wie immer am Golfteich und auch hier waren sehr viele Zickrufe von Singdrosseln aus der Vegetation zu hören. Der Dünenfähre entstiegen deutlich mehr Leute, als die Vorstellung über ihre maximale Passergierzahl zuließ. Der Moment der Abfahrt schien mehr als günstig gewählt, bevor es dort noch voller wurde. Auf der Hauptinsel machten wir dann die erste Runde über das Oberland, wo auf dem Weg zur Nordspitze zwei Sumpfohreulen aufgescheucht einen neuen Ruheplatz suchten. Das war definitiv das Highlight des Tages. Basstölpel, Krähenscharbe und Gryllteiste wurden fix noch auf der Jahresliste verewigt und dann statteten wir den von oben etwas ratlos wirkenden Twitchern beim Bartlaubsänger einen Besuch im Kurgelände ab. Der Frust war groß, aber in letzter Minute konnten wir das Objekt der Begierde in den Hundsrosen entdecken. Danach sprinteten die Tagesgäste erleichtert los zum Schiff. Der Tag endete bei Pizza Scampi in der bevorzugten Pizzeria.

Tag 3

Krähenscharbe

Krähenscharbe K1

Am Abend zuvor war der Wind schon spürbar stärker geworden und so begann auch der Tag. Schon vor dem Fenster hörte man ihn kräftig am Sendeturm reißen. Auf der windabgelegenen Seite der Insel war es erträglich, aber Vögel waren nicht viele zu entdecken. Der Bartlaubsänger wurde noch einmal kurz gesehen, möglicherweise das letzte Mal. Auf der Nordostmole waren ein paar Limikolen und Steinschmätzer, aber der Wind und 1250 mm sind schwer kombinierbar. Eine Krähenscharbe saß am Ende der Mole auf den Tetrapoden ungewöhnlich nah für diese Art. Immer wieder zwang ein Schauer zur Pause und wir krempelten jeden Busch um, aber es bleib bei der mageren Ausbeute. Ein komischer Fitis erhöhte kurz den Adreanalinspiegel, verriet sich dann aber durch seinen eindeutigen Ruf. Der Kringel wirkte wie der Schauplatz für einen Hurrican-Spielfilm, weil dort der Wind voll drauf stand. Solche eher vogelarmen Tage sind die anstrengendsten, da man unglaublich viel herumläuft. Nach kurzer Verschnaufpause ging es zum Italiener und danach noch auf ein Bier in eine Kneipe. Währenddessen wurde ein Bartlaubsänger auf Sylt gemeldet. Vielleicht der helgoländer Vogel auf der Windautobahn? Sturm und Westwind bleiben uns erhalten. Die Fähre von Büsum hat für zwei Tage ihren Betrieb eingestellt und der Katamaran fährt auch nicht.

Tag 4

Golfteich

Strandvögel bei Sturm

Bei Wind versucht man sein Glück am besten auf der Windschattenseite der Insel, in diesem Fall war das vom Nord-Ost-Strand bis zum Kringel. Alle Vögel hatten sich dennoch tief in die Büsche verdrückt bzw. sind gar nicht mehr da. Auf der Mole saßen nur Möwen und viel besser sah es weder am Kringel noch im Mittelland aus. Eine lange Zeit auf halber Höhe der großen Treppe brachten 5 Sommer- und ein Wintergoldhähnchen hervor sowie einen Grauschnäpper. Na immerhin! Gelbbrauenlaubsänger scheinen keine mehr auf der Insel zu verweilen. Kurze Schauer fielen über den ganzen Tag verteilt aus den kleinen Regenwolken, die sich permanent über der Nordsee neu bildeten. Nachmittags versuchten wir unser Glück dann auf der Düne, denn die Sonne schien auch immer wieder. Auf der Überfahrt hielt ich mit der einen Hand die Kamera auf dem Schoß fest, mit der anderen mich an der Bank. Nichts für schwache Nerven, aber das hatten wir auch schon bedeutend aufregender. Beim Aussteigen musste man die Kappe festhalten. Der Wind trieb den Strandsand wüstenähnlich über den Boden. Die Robben lagen am geschützteren Südstrand, die Limikolen trotzden des Windes am stürmischen Nordstrand und ließen sich sandstrahlen. Da ich mir und meiner Linse das ersparen wollte, verzichtete ich auf dieses Erlebnis. Die Zwergstrandläufer wären sowieso in einem Nebel fliegenden Sandes bis zum Hals auf den Fotos versunken. Der Golfteich lang so idyllisch im Sonnenlicht wie immer und die Wasserrallen riefen. Ein Flugzeug startete gegen den Wind und schwankte zusätzlich zur steilen Rechtskurve. Ebenfalls ein Erlebnis, auf das ich verzichten kann. Vögel haben wir nicht viele gesehen, aber mehr als auf der Hauptinsel, wo wir nach einem ereignislosen Abendspaziergang auf dem Oberland aufgaben. Morgen wird es noch stürmischer und der Westwind bleibt. Es werden schon amerikanische Arten hoch gehandelt. Die besondere Herausforderung: einmal Nordspitze bei 70 km/h Windgeschwindigkeit – mal sehen, ob wir uns trauen.

Tag 5

Bei Sturm Vögel zu finden, ist eine ziemlich aussichtslose Angelegenheit, wenn man nicht gerade zu den Menschen gehört, die stundenlang mit dem Spektiv auf das Meer gucken. Das Nord-Ost-Gelände beherbergte neben einen Haufen Tauben einen unbestimmten Rohrsänger und einen Hänfling. Am Strand saß eine im Sterben befindliche Möwe, und auf der Mole rannten zwei Meerstarndläufer zwischen lebendigen Möwen herum, die nun meine Jahresliste zieren. Selbst an der Großen Treppe hielten sich die Goldhähnchen sehr zurück. Dort erfuhr ich, dass die Nordspitze wegen einer Bombenräumung gesperrt ist. Unsere Mutprobe fiel also – aus im Gegensatz zum Mittagsschlaf. Der Nachmittag gehörte dann alternativen Motiven mit Vollformat und Weitwinkel. Die Bearbeitung füllte die Lücke bis zur Pizzeria.

 

Tag 6

Meeresplatte während draußen der Sturm tobt.

Sturm! Heute wurde es nochmal richtig windig und hinzu kam eine Menge Regen. Nach Ausschlafen morgens, konnte man sich bis mittags eigentlich nur mit Shopping und Essen beschäftigen. Wasserdichte Hosen und Jacken waren der Renner bei Jörn Rickmers Outdoor. Das Sturmhoch betrachteten wir uns von den Mocca-Stuben aus. Die Amseln kämpften im Gesträuch davor um Haltungsnoten, wir mit der Meeresplatte. Ab mittags kam gelegentlich die Sonne raus und der Wind ließ etwas nach. Ein Wellenläufer wurde in dem Moment gemeldet, als wir im Café saßen. Das Café Krebs war dabei unsere erste Anlaufstelle, aber der alte, muffige Geruch darin schlug uns augenblicklich in die Flucht. Bis zum Café Panorama hing dieser noch in unserer Nase. Trotz bestem Ausblick wollte der seltene Vogel nicht durch die Reede fliegen. Später wurde noch eine Schwalbenmöwe gemeldet, die uns ebenfalls entging. Als letzten Akt suchten wir noch eine Ohrenlerche im Südhafengelände. Auf der kringelseitigen Fläche hinger dem Hubschrauberhanger wurden wir fast weggeblasen. Die Ohrenlerche blieb ungesichtet. Dennoch hatten wir das Gefühl, dass ein paar mehr Kleinvögel nach dem Sturmhoch da waren. Die Hoffnung bleibt also für den Folgetag. Das Helgolandschiff war nach einer Stunde Fahrt übrigens umgedreht. Der Hafenmeister hat bei der Wellenhöhe die Einfahrt in den Hafen von Helgoland untersagt.

Tag 7

Zwergschnäpper

Ist die Luft rein? Alle Knipser weg!

Weiterhin Sturm auf der Insel, aber der Seewetterbericht versprach wenigstens etwas Nachlassen des Windes und Sonnenschein zum Nachmittag. Während des gesamten Vormittags kamen immer wieder kräftige Regenschauer über uns, die dann irgendwann nervten. Alles war klamm, aber immerhin konnte ich einen Zwergschnäpper aus dem Gesträuch am Kringel klauben. Dieser Vogel begeisterte dann auch alle Vogelkieker und Vogelknipser den Tag über. Es waren sehr viele Kleinvögel eingetroffen, überwiegend aber Wiesenpieper. Einige Ohrenlerchen tummelten sich auf der Fläche Richtung Kringeltor und eine Sumpfohreule saß im Hang. Ein Spornpieper am Nordstrand war vollkommen unkooperativ und eine weiße Mantelmöwe bereicherte das fliegende Ansichtsmaterial. Im letzten Licht gelangen auch mir noch ein paar Fotos vom Zwergschnäpper, nachdem die diversen doch extrem aufdringlichen Knipser das Feld geräumt hatten. Plötzlich verhielt sich der kleine Federball wieder normal und kam in die vorderen Bereiche des Gebüsches, wo ich ihn auch entdeckt hatte. Mit etwas Abstand und Stillstehen gelingen die besseren Bilder als mit ständigem Näherrücken und Nachstellen. Aber einigen Kamerabesitzern geht es wohl nicht um Bildqualität sondern um Belege. Mangelnde Brennweite rechtfertigt aufdringliches Verhalten auch nicht. In dieser unsäglichen Birder- vs. Fotografendiskussion fehlt mir die kritische Betrachtung der Schnittmenge: Vogelinteressierte mit Kamera – das hat mit Fotografie nichts zu tun.

Das Schiff kam kurz, um die Gestrandeten abzuholen und neue Urlauber zu bringen. Tagestouristen durften nicht mitfahren.

Tag 8 – Abfahrt

Der Tag war ziemlich verregnet, so dass die Zeit in der Bunten Kuh gut verbracht war. Die Rückfahrt auf dem Helgolandschiff war bewegt, aber auszuhalten. Schließlich bot die Nordsee ornithologisch mehr als es die Insel in einer Woche konnte: Skua, Falkenraubmöwe, Schmarotzerraubmöwe, Schwalbenmöwe, Sterntaucher, mehrere Zwergmöwen und eine Schwarzkopfmöwe. Die erhoffte Sturmschwalbe oder gar ein Wellenläufer blieben aus, aber man kann nicht alles haben, schließlich waren für mich 3 Lifer dabei und mit dem Bartlaub zusammen waren es sogar 4 auf diesem Trip.

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